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Archivale des Monats - 2*

Die Unterführung am Aumeister, 1980 - eine Aufschrift gibt Rätsel auf

Sepia-Aufnahme. Drei Männer sitzen auf einem aufgebockten Balken vor einem Turbinenrad in einer Fabrikhalle, etwa schulterhoch vom Boden entfernt

„DEATH IS SO PERMANENT“ – diese Aufschrift stand 1980 in großen weißen Lettern auf der Brücke, die den Föhringer Ring in der Nähe des Aumeisters über die Sondermeierstraße führt.

 

Ob es sich bei dieser Aufschrift um ein Graffiti oder um eine offizielle Beschriftung handelte, ist heute unklar. Beide Möglichkeiten sind denkbar:

 

Bereits in der Nachkriegszeit mahnte die US Army in ihrer Besatzungszone mit offiziellen Schildern und Beschriftungen an Stadttoren und Brücken „DEATH IS SO PERMANENT. DRIVE CAREFULLY.“ Inwieweit die Aufschrift auf dem Foto ein später Ausläufer dieser Kampagne war, der dort hingeschrieben wurde, als die Brücke neu war, wissen wir nicht. Zumal die Verkehrswarnung „Drive carefully“ auf dem Foto nicht zu sehen ist. Vielleicht hat sie nie existiert, vielleicht ist sie lediglich vom Baumwuchs verdeckt. 

 

 

„Death is so permanent“ lässt aber auch eine gänzlich andere Lesart zu: Sie kann als Wortgraffiti verstanden werden. Wandinschriften und Losungen dieser Art waren in deutschen Städten seit den 1968er-Jahren als politisches und subkulturelles Ausdrucksmittel präsent – und damit lange bevor München 1983 zur Hochburg der deutschen und europäischen Graffitiszene wurde. Der fatalistische Slogan klingt für diese Kunstform typisch; er rückt die Aussage ins Philosophische. Es könnte sich sogar um ein verkürztes Zitat der Verkehrswarnungen handeln und damit um ein bewusstes Spiel mit Bedeutungen und Kontextverschiebungen.

 

 

Ob „Death is so permanent” an dieser Brücke, nun eine Verkehrswarnung oder ein Graffiti war, ließe sich nur durch zusätzliche Informationen herausfinden.

 

Stand da noch ein „Drive carefully“, das zugewachsen ist? Zu welchem Zeitpunkt wurde die Aufschrift angebracht? Wann ist sie wieder verschwunden? Falls Sie dazu etwas wissen, sprechen Sie uns gerne an.

 

 

 

 

* Die "Archivale des Monats" erscheint vier Mal pro Jahr als Reihe und stellt jeweils ein Fundstück aus unseren Archivbeständen vor. 


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