Luise Zietz | 1865 – 1922
Seit kurzem gibt es in Neufreimann die Luise-Zietz-Straße, benannt nach der Politikerin und ersten Frau, die in Deutschland in einen Parteivorstand gewählt wurde. Luise Zietz war politisch für die SPD und USPD aktiv. Sie gehörte der Weimarer National-versammlung an.
Dass Luise Zietz überhaupt als erste Frau in einen Parteivorstand gewählt wurde, hängt auch mit den machterhaltenden Mechanismen des männlich geprägten Gremiums zusammen: Die Wahl von Zietz verhinderte, dass Clara Zetkin – eine weitaus radikalere und überaus gut vernetzte Kandidatin – in den Vorstand einzog. So wurde eine Frau gegen die andere ausgespielt.
Bis 1908 war politische Arbeit für Frauen gefährlich. Veranstaltungen von Zietz wurden verboten, sie hatte Geldstrafen zu zahlen und Gefängnisstrafen abzusitzen. All dies hielt sie nicht davon ab, sich für bessere Lebensbedingungen von Arbeitern und Frauen einzusetzen.
In Freimann wurde 1918 ein Flugblatt, das zur Revolution aufrief, gefunden – mitunterschrieben von Luise Zietz. Schon im Januar 1918 warnte die Freimanner Gendarmerie in einem Bericht vor der Agitation durch „meist norddeutsche Elemente und Weiber“. Im November beteiligten sich tatsächlich etliche Frauen an der Revolution, die von den Kruppwerken in Freimann ausging und den Umsturz in Bayern zur Folge hatte.
Damit hat Luise Zietz weit mehr Verbindung mit Freimann als nur die Benennung eines Straßennamens.

