Ursula Wachter | 1924 – 2018
„Mir ist mein Bildbock abhandengekommen. […] Als ich ihn besaß, war die Welt rund für mich. Ich hatte eine Zuflucht. Ich war gerettet in den Zeiten der Verderbnis. […] Heute fühle ich mich verlassen ohne diesen Bock. Wie nur konnte ich all die Jahrzehnte ohne ihn leben?“
Ursula Wachter war ausgebildete Holzbildhauerin. Während ihres Studiums lernte sie ihren Mann kennen – den Bildhauer Rudolf Wachter, der später sehr erfolgreich und bekannt werden sollte. Durch die Geburt ihrer fünf Kinder und die daraus resultierende Arbeit für Erziehung und Haushalt blieb ihr kaum mehr Gelegenheit, die eigene künstlerische Berufung zu leben. Sie gab die Holzbildhauerei schweren Herzens auf.
In einem autobiographisch gefärbten Text beschreibt sie, wie schwer es ihr fiel auf ihren Beruf zu verzichten. Aufgegeben hat sie den „Bildbock”, weil „er keinen Platz mehr in meinem Familiendasein beanspruchen konnte“ – zwischen „Wäsche und Schule und Hausputz“. Vielleicht wäre es mit etwas mehr Unterstützung gegangen?
„Wir hatten einen Topf und einen Spirituskocher, das war Ullas Küche“, berichtete Rudolf Wachter in einem Interview über einen achtwöchigen Kretaaufenthalt. Während er die griechische Antike studierte und an seinen Holzskulpturen arbeitete, hatte Ursula Wachter mit dieser spärlichen Küchenausstattung ihren Mann und die fünf Kinder zu versorgen.



